Speckstippe und die Welt da draußen

Samstag auf dem Dorf. Die Sonne strahlt, die Sägen klingen, Traktoren nehmen sich die Vorfahrt.

Nachbar A macht seinen Kirschbaum einen Kopf kürzer und wir lassen uns das nicht entgehen. Sitzen zum Zuschauen auf dem Balkon wie die Alten in der Muppet Show. Hinterher gibt es zur Belohnung eine Runde Oldies auf der Terrasse, richtig gute, und ich reiche einen halben frisch gebackenen Hefezopf über den Zaun.

Nachbarin B bummelt vorbei und holt sich etwas von meinem aufgefrischten Sauerteig, den ich in der Dorf FB Gruppe angeboten habe. Mehl und Hefe gibt hier nicht mehr. Ich  reiche den Sauerteig übers Hoftor und wir schwatzen über das letzte Rezept.

Wir bauen das Gewächshaus auf und säen Salat, Kräuter und Tomaten. Sicher werden wir viel zuviel Pflänzchen bekommen. Aber vielleicht mögen die Nachbarn ein paar.

Pause. In den Forsythien summen die ersten noch trägen Bienen.

Zeit für die Hunde. Wir wandern die 200 Meter zum Wald hinauf. Bei Nachbar C spielen die Kids Federball auf dem Rasen, das Gequietsche ist groß.

Gleich hinter der Schafweide treffen wir Nachbar D beim Gänse füttern und quatschen übern Zaun trotz des Lärms kurz über Füchse und Waschbären, weil er die Fallen frisch aufgestellt hat.

Über unsere Köpfe fegen die Turmfalken, die im Kirchturm wohnen und ein großer Bussard segelt majestätisch über die Weiden am Waldrand.

Der alte jüdische Friedhof ist übersät von Buschwindröschen, so viel neues Leben um die uralten Steine.

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Wir atmen tief durch und schauen auf das Dorf hinunter, das im warmen Sonnenlicht liegt. Die großen Weiden am Bach zeigen ein blütenfrisches Hellgelbgrün.

Nachbar E treffen wir auf dem Rückweg schwitzend beim Zäune setzen. Die Pferde wollen endlich raus und das Gras wächst gut. Wir winken einander zu.

Daheim warten Speckstippe, Pellkartoffeln und Gurkensalat nach Omas Rezept.

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Unfassbar, dass da draußen gerade eine Welt zusammen bricht.

Wenn es mich trifft, bin ich froh, dass ich hier war.

 

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Mauerblümchen

Ich lebe in einem sehr alten Haus
aus dessen Gartenmauern
Violen wachsen
und blühende Moose
auf den Mauerkronen.

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Wo im Brunnengrund
uralte Geheimnisse ruhen
und die Wände noch hallen
vom Rhythmus des Gebets.

Dessen Stufen knarren
unter der Trauer von Geistern
deren Flehen unerhört blieb.
Und wo silberhelles Lachen
manchmal des Nachts
über die verwitterten Mauern perlt.

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Hier wächst das Leben aus altem Stein
und einen Lidschlag lang
war ich Teil davon
und sicher …

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Aurelies Wald

Aurelie ging jeden Tag ihres Lebens in ihren Wald. Sie hatte es begonnen, als sie jung war und ihr Herz voller Erwartung. Und sie tat es, als sie alt war und ihr Herz nichts mehr erwartete, als das, was sie in Ihrem Wald finden würde.

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Eigentlich war Aurelies Wald ein Naturschutzgebiet, in dem sich wegen der seltenen Vogelarten am See den größten Teil des Jahres überhaupt niemand aufhalten sollte. Das galt natürlich nicht für Aurelie, es war schließlich ihr Wald.

Im Winter trug Aurelie eine fantastisch bunt gestrickte Mütze und ihren dicken alten Parka mit dem abgewetzten falschen Pelzkragen an der Kapuze. Sie sprach mit den wenigen Spaziergängern auf den Wegen, erkundigte sich nach den Hunden und Kindern, die mit unterwegs waren. Obwohl stets freundlich wirkte sie auf ihre Gegenüber immer ein wenig abwesend, verträumt.

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Im Sommer tauschte sie die Mütze gegen eine braune Kappe mit einem Schirm, ein wenig keck, wie ein Vogelschnabel vielleicht. Ihr abgetragener Strickpulli war eine gute, tarnfarbene Mischung aus moosgrün, efeugrün und birkengrün. So verschmolz sie mit dem Waldboden und verschreckte nicht die Vögel und störte sie nicht beim Aufziehen ihrer Brut.

Aurelies Wald war ihr Zuhause. Ein Zuhause, das einen festen, verlässlichen Boden hatte, der sanft bebte unter ihren Schritten, und das ohne eine Decke bis in den Himmel reichte. Es war immer mehr, als ihre beiden Arme umfassen konnten. Damit war sie mehr als zufrieden.

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Ihr Weg endete stets am großen See, an dem sie sich vorsichtig auf einer maroden Bank niederließ. Es war nichts als ein grobes Brett auf zwei kleinen Findlingen, unbeachtet, ein wenig in den Brombeeren versteckt und seit Jahren nie erneuert, um ja nicht zu einladend zu wirken.

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Neulich hatte Aurelie im Radio gehört, dass Leute in den Wald gingen, um Bäume zu umarmen. Aurelie kam das äußerst merkwürdig vor. Sie umarmte keine Bäume, sie atmete den Wald einfach ein. Sie atmete den Moosduft, atmete die Lichtstrahlen, die von den weißen Birkenstämmen zurückschossen, sie atmete die silbernen Regenperlen an den Kiefernadeln. Sie atmete überhaupt und einfach alles ein, was ihr schön und des Erforschens und Berührens wert zu sein schien. Und das war fast alles in ihrem Wald.

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An einem sonnigen Tag, als es schon fast Frühling war, fand Aurelie auf dem Weg eine Miniatur Vogelfeder. Sie war so winzig, aber völlig perfekt. Flaum so zart wie Spinnenfäden und  braun-grün getupfte, starke Federn an der Spitze. Aurelie hielt sie in der Höhle ihrer Hand gefangen, bis sie an den See zu ihrer Bank kam. Sie setzte sich und betrachtete die Feder, die ihr seltsam vertraut vorkam. Sie lauschte dem vielstimmigen Vogelgezwitscher und während die erste warme Sonne des Jahres sie langsam durchdrang, wusste sie, dass es Zeit war, los zu lassen.

So öffnete sie ihre Hand weit und mit dem leisen Hauch ihres Atems schickte sie die Feder über den See.

 

Mila und die dünner werdende Sehnsucht

Mila hatte ihre Sehnsucht immer um sich geschlungen wie einen weich schwingenden Tuchmantel, der sie sicher umhüllte. Der sie irgendwie zusammen hielt und sie auch interessant machte.

Sie hatte viele Sehnsüchte gehabt im Laufe ihres Lebens. Sehnsuchtsorte, Sehnsuchtssituationen, Sehnsuchtsdinge, Sehnsuchtsgefühle. Viele davon waren erfüllt worden.

Sie hatte sie sich erfüllt. Oder sie waren einfach zu ihr gekommen, standen entlang ihres Weges aufgereiht, als warteten sie auf sie.

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Und dann waren da Teile in dem Mantel, Sehnsüchte, für die Mila keine Worte hatte, die sie nicht einmal verstand. Und auch von denen waren einige einfach zu ihr gekommen und waren erfüllt worden.

Sehnsucht ist ein köstliches Gefühl. Ein Schmerz, der Mila daran erinnert lebendig zu sein. Eine Kraft, die sie weiter treibt.

Manchmal ist Sehnsucht ein Bild, manchmal ein Geruch. Oder auch ein Gespräch in ihrem Kopf oder das Gefühl von warmer Haut. Sehnsucht kann sein wie Hunger oder wie ein Stück Musik, oft nur die Abfolge weniger Töne. Was immer es ist, es treibt ihr die Tränen in die Augen.

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Solange Mila auf dem Weg ist, sich eine Sehnsucht zu erfüllen, ist alles gut. Da kann nichts ihr etwas anhaben. Keine Enttäuschung, kein umstürzender Baum, kein abknickender Weg, keiner, der Sie im Stich gelassen hat.

Sie ist auch bereit, etwas zu tun, um ihren Sehnsuchtsweg weiterzugehen. Nicht, dass sie dabei über Leichen gehen würde, aber da liegt schon eine Menge zerschlagenes Porzellan an Milas Weg des Begehrens.

Aber in letzter Zeit ist dieser Mantel dünner geworden und das macht ihr Angst. Bilder, die unschärfer werden, Melodien, die nicht mehr erkennbar sind. Erfüllte Sehnsüchte oder gestorbene, die durch keine neuen ersetzt werden.

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Allein der Geruch und der Geschmack betrügen sie fast nie. Noch riecht Mila den Atem der Löwin, die sie fast das Leben gekostet hatte. Sie schmeckt den feinen Staub der roten Erde, die der Elefant nur zwei Meter vor ihr aus dem Boden stampft, während sie sich bebend vor Leben und zitternd vor Angst im hohen Gras duckte. Hunger überfällt sie beim Duft des Fetts, das aus dem Zicklein in das offene Feuer tropft. Und ihre Finger beben, wenn sie sich erinnert an den feinen Wildgeruch und die zarten Flügel der Fledermaus, die sich Nachts auf ihrer Brust in ihr Schlafshirt gekrallt hat. Diese Sehnsucht ist eine Sucht, die nie gestillt, wohl aber enttäuscht werden kann. Sie ist zu klug, diesen Kontinent, von dem Sie zu viel weiß, noch einmal zu betreten.

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Die Bilder der violetten Tiefen der schottischen Highlands, in denen ihr die Sechsfingrigen begegneten, und der schroffesten und einsamsten Küsten, an deren Klippen sie streifte und im Meer versank, ertränkt Mila ab und zu in einem Glas des torfigen, salzigen Malt Whisky.

Geblieben auch diese Sehnsucht nach der Haut eines anderen. Aber die Sehnsucht nach Haut, sich in den Armen eines anderen verlieren, war das nicht ein Allerweltsbegehren, dessen Erfüllung ihr weit mehr vergönnt gewesen war als so vielen anderen. Musste sie da nicht zufrieden sein?

Und das Meer? Was ist mit diesem Band zwischen ihr und den Tiefen und den endlosen  Wellen? Kann Sie diesem Bündnis noch gerecht werden? Ist Sie noch stark genug für diese mitleidslose, brodelnde Schönheit, die schon immer in ihren Träumen war und die ihre Sehnsüchte nie enttäuscht hatte.

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Schal geworden die Sehnsucht nach Wissen, fast hoffnungslos der Drang nach Erkenntnissen. So viel im Kopf und die Überzeugungen fair genug erkämpft. Zu müde zum Weitermachen. Milas Zeit läuft ab. Abgetragen der Mantel der Sehnsucht, er wärmt nicht mehr, hält sie nicht mehr zusammen. Kann Sie so weiter gehen? Oder ist Sie angekommen?

Nur ist der Ort, an dem Sie ist – ein guter Ort – nichts, nach dem Sie sich jemals gesehnt hätte. Er hat diese monotone, leise Melodie, so eine, die die Menschen beruhigen soll, im Fahrstuhl oder im Flugzeug. Ein Ort, an dem alles getan scheint, der nie nach Veränderung streben wird.

Nicht weil alles perfekt ist, sondern eben so perfekt, wie es sein kann. Wie eine Kugel, die ihr Gleichgewicht auf einer Ebene gefunden hat.

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Aber dieser Stillstand ist für sie betäubend. Seelenbetäubend. Kann sie überhaupt leben ohne Sehnsucht? Ohne etwas zu wollen, sich nach etwas zu strecken? Ohne sich zu bewegen? Ohne diesen süßen Schmerz zu fühlen, der Sie immer weiter getrieben hat?

Das Leben ist vergangen, welchen Weg sie auch immer gewählt hat. Aber wenn sie jetzt stehen bleibt, weil sie keinen Weg mehr sieht, dann vergeht das Leben ebenso.

Was für eine Vergeudung. Mila dreht und wendet sich auf der Stelle. Versucht ihr Begehren, ihre Sehnsucht wieder zu finden, Bilder am Horizont zu sehen, die Luft nach einem Duft abzusuchen.

Vielleicht, wenn Sie sich schneller dreht, wird aus ihr ein Wirbelwind. Und dann – ja dann ist alles möglich.

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Einmal Winterblues und Regengrau bitte!

Kirchenglocken. Augen auf! Grau. Traumgrau? Nein, Taggrau.

Dieses Grau färbt meine Träume, es schleicht vor mir her die Treppe hinunter. Wie Nebel. Es ist anhänglich, es haftet an mir. Dicker schwerer Nebel. Kaum bekomme ich den Kaffeebecher an die Lippen.

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Tagesbeginn sollte sein wie Neuanfang. Immer wieder. Eine neue Chance. Ungekannte Gelegenheiten. Da sollte nerviges Amselschlagen sein, Taubengurren, Nachbarsrufe nach dem Hund und vom Hang gegenüber das Traktorenmurmeln des unermüdlichen Bauern.

Aber alles schweigt. Was sollte auch das Trommeln übertönen, das der Regen schon wieder auf dem Blechdach des Schuppens produziert. Das Geräusch treibt mir die Tränen in die Augen.

Das Vogelhaus bleibt leer. Die Kleinen krallen sich geplustert an irgendwelchen Ästen fest, die blattlos keinen Schutz mehr bieten. Die Hunde bleiben drin. Udo, der Briefträger, grüßt nicht mehr. Er würde dabei ersaufen.

Ich hatte mir einen Plan gemacht für diesen Winter. Eine Liste von Filmen, die ich wieder sehen wollte. Ein Stapel von Buchempfehlungen. Das Licht aufbessern im Fotostudio und eine hübsche Serie Studioaufnahmen machen. Mindestens 20 verschiedene Apfelkuchen backen. Schränke aufräumen.

Mitte Februar sind nur noch schäbige Reste von dieser Liste übrig.

Die Hunde wollen raus. Hier draußen gibt es endlose Feld- und Waldwege. Teiche, kleine Seen, Burgen und Ruinen, eine sanft geschwungene Landschaft, die hinter jedem Hügel anders mit dem Licht spielt. Wenn denn da Licht ist.

Übrig geblieben sind zwei asphaltierte Wege, an denen wir den Bäumen inzwischen Namen gegeben haben. Die Hunde wahrscheinlich andere als ich. Oder Gummistiefel anziehen und unter Lebensgefahr die Apokalypse besichtigen.

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Was nicht der Trockensommer und die Stürme erledigt haben, haben die Aufräumtrupps geschafft. Chaos, zersplittertes Holz, metertiefe Reifenspuren, zerstörte Bachläufe, zusammengebrochene Brücken. Wasser überall.

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Die Pferdeweiden völlig zertrampelt und die Feldwege beim Abholen der Raufen und Wasserwagen von Traktoren bis zur Unkenntlichkeit umgegraben. Da diese Wege dann  nicht mehr befahrbar sind, müssen auch die Wegränder und Umwege durch Feld und Wald für die schweren Maschinen herhalten.

Apokalyptische Bilder. Die mit dem grauen Nebel und dem schleimigen Schlamm schon hinter meinen Augen lauern, wenn ich die Hundejacke anziehe.

Ich wünschte, ich hätte die Geduld, die Kraft und die Unbekümmertheit meiner Hortensien. Deren Knospen sind gesten über Nacht aufgegangen. Mein Garten wird grün. Grün, du lieber Himmel! Denen reicht dieses schmutzig gefilterte Licht, während ich noch mit dem Gelb meiner Vitamin D Pillen vorlieb nehmen muss.

In meinem E Mail Eingang häufen sich die Rezeptempfehlungen. Ganz klar, was soll man denn auch schon machen außer in der Küche stehen. Ich habe auch schon zugenommen.

Es muss etwas geschehen. Also nix wie rauf auf mein Spinning Trainingsbike und ab auf den Trip. Ich habe den großen Laptop aufgebaut und lasse mich entführen. Ok, das Tempo halte ich nicht lange mit, aber es macht Höllenspaß. Und guckt mal – der Himmel ist blau. Und ab Minute 10.24 kommt die Sonne raus. Blauer Himmel – da muss ich fast schon wieder weinen. Aber ich glaube dieses Mal ist es Schweiß.

Zehntausend fliegende Teppiche

Ich konnte lesen, bevor ich in die Schule ging. Dann konnte ich querlesen. Heute nennt man so etwas Speed oder Power Reading. Damals war ich nur einfach schnell. Für zwei Stunden Zugfahrt packte ich voller Angst, das mir der Stoff ausginge, mindestens zwei Bücher ein. Und ich hortete sie.

Auf dem Höhepunkt meiner Bücherbesessenheit besaß ich fast 10.000 Stück. Überwiegend natürlich Taschenbücher. Anderes war nicht finanzierbar. Ich war Stammgast auf Flohmärkten. Bei Wohnungswechseln plante ich endlose Mengen Bücherwände ein. Hübsch war diese Sammlung nicht. Weggeben wäre undenkbar gewesen.

Hat weh getan …

Aber eines Tages  – in meinem ersten eigenen Haus – hatte ich keine Lust mehr auf quietschbunte Papierwände in Flur oder Wohnzimmer. Es tat mir in der Seele weh, aber ich begann den schwierigen Prozess der Trennung.

Als erstes verkaufte ich meine Science Fiction Sammlung von über 3500 Stück. Dann begann ich Romane auszusortieren, die mich nicht so besonders fasziniert hatten. Und immer so weiter.

Zurück blieben meine Lieblingsschriftsteller, stets komplette Sammlungen, von Hermann Hesse über Michener, Uris, Clavell bis Morris West. Ein bunte Sammlung esoterischer und philosophischer Werke. Ein paar Bildbände, wenige Sachbücher. Viele Gedichtbände.

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Und ich begann alte Bücher zu sammeln. Nicht so sehr, um sie alle zu lesen, sondern  wegen ihres wundervollen Aussehens, das sozusagen Bände sprach, wegen der zum Teil kuriosen und wundersamen Inhalte und ihrer Eignung als Foto-Objekte.

Meine Romansammlungen inklusive Taschenbüchern zieren heute die Wände meines Fotostudios. Und übers Haus verteilen sich viele kleine Bücherregale.

Einfach nur noch wild …

Und in ihnen herrscht keinerlei Ordnung. Die Mischung ist wild – und wundervoll.

Neben dem Tortenbehälter der Großmutter und dem von meinem Liebsten für mich kreierten Treibgutobjekt finden sich in diesem Regal unten Bildbände über meine Hunting Dogs, denen ich in Zambia auf der Spur war, und welche über die letzten stolzen Großsegler der Welt. Dazu natürlich die Seemannschaft für Großsegler, da ich ja wissen musste, an welchem Ende ich ziehen musste und welchen Nagel belegen. Dann Knaurs Wintermärchen. Ein Brehms Tierleben. Und alles über den Bildhauer Igor Mitoraj.

Mein ganzer Stolz ist die Sammlung der komplett vergriffenen Afrika Romane von Robert Ruark gleich neben dem I Ging und dem für mich schönsten Gedichtband von Erich Fried.

Oben findet man die Tintenherz Trilogie gleich neben einem alten Neuen Testament, dem unverzichtbaren Knigge und eine gestreifte Übersetzung von Phantom de l’Opera.

Ein paar weitere Schätze wohnen in diesem alten Milchbord eines reichen Bauern aus der Schweiz.

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Querbeet gelesen

Ich lese heute weniger, es strengt meine Augen an.  Aber immer noch mehrere Bücher gleichzeitig. Im Auto als Hörbuch: Robert Harris: Konklave. Ein unglaublicher Krimi. Aber vielleicht muss man mit dem Pomp und der Selbstgerechtigkeit der katholischen Kirche goß geworden sein, um das spannend zu finden. Zum Rumschleppen im Haus: Louise Erdrich: Spuren. Eine geistergewaltige Indianergeschichte aus den 1920ern in Dakota. Im Schlafzimmer: Tess Gerritsen: Leichenraub. Ein Zwei-Zeiten-Krimi aus dem Krankenhausmilieu vor Semmelweiss und Lister. Zu meinem aktuellen Rechercheprojekt über Hexen: Hexen und Heiler in der Grafschaft Büdingen. Mit beiliegendem Marker.

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In die Wiege gelegt

Ich wuchs auf mit der riesigen Bücherwand meiner Eltern. Jeder meiner Eltern hatte immer ein Buch in Arbeit. Mindestens zwei aus der Familie lasen ein Buch, um dann darüber zu sprechen.

Als Kind baute ich mit Legosteinen den Webstuhl aus „Die Höhlenkinder“.  Ich fand im Regal „Nackt bin ich geboren“ über Michelangelo und machte weiter mit einem Roman über Rodin. Ich verschlang Thorwalds „Jahrhundert der Detektive“ und fieberte mit dem Überleben der Menschen  in seinen „Die Patienten“, der Geschichte der ersten Transplantationen. Ich hangelte mich von oben rechts – Ringelnatz und Morgenstern -nach unten links und fand Selinkos „Desiree“ und Oskar Wildes Erzählungen..

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Dieser Flickenteppich aus Erkenntnissen

Ich verliebte mich. In Bücher. In diese wundervolle Welt, die Buch für Buch größer wurde. Und bunter und komplexer. Die nun zurück reichte in der Zeit und ein Stück voraus. Die immer mehr Fragen aufwarf, als sie Antworten lieferte.

An diesem Flickenteppich von Ereignissen und Erkenntnissen, diesen vereinzelten Puzzleteilen, die eine erklärbare Welt werden sollten, arbeite ich heute noch mit jeder Seite, die ich umblättere.

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Deutschunterricht und Germanistikstudium fügten viele neue Bücher, aber nur wenige faszinierende Erkenntnisse hinzu. Ich wollte nicht mit Büchern arbeiten. Sie nicht erklären, vergleichen, einordnen und interpretieren.

Ich wollte sie weiter als meinen fliegenden Teppich benutzen.

Kopfkino

Nie war eine Verfilmung auch nur annähernd so gut wie der Film, der sich in meinem Kopf abspielt, wenn ich lese. Wenn ich ganz allein die Zeilen zum Leben erwecke, den Figuren Gesichter verleihe, Landschaften kreiere und Flügelrauschen den Seiten entspringt und durch das Fenster hinaus leise verklingt.

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Jede Interpretation eines Buches gehört mir allein. Heute will ich nicht einmal mehr darüber reden. Ich will einfach nur ein neues.

So dankbar wie ich den Computerbildschirm heute für Recherche benutze, so lese ich nie auf dem Tablet. Nicht einmal im Zahnarzt Wartezimmer. Es ist für mich einfach das falsche Gefühl. Und der Geruch stimmt nicht.

Meine Bücher haben Knicke auf den Weiterleseseiten, Brüche im Rücken und abgenutzte Kanten. Markierte Stellen, Anmerkungen, Anstriche. Es sind Freunde, die mit mir alt werden. Und auch so aussehen dürfen.

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Gelesene Bücher bekommen je nach Wertschätzung einen festen Platz im Regal (wenige), einen „Weiß noch nicht“ Zwischenlagerplatz im Schlafzimmer, wandern in den Büchertauschschrank oder sogar in den Papierkorb. Und nein, ich trage nicht 15 kg Bücher zur Post für EUR 1,18 von Momox.

Ich kenne niemanden mehr, der Bücher aus Papier liest. Ich weiß, dass es sie gibt da draußen, die Papierleser. Leider kenne ich in meinem Umfeld niemanden mehr.

Wenn der Regalplatz bei mir wieder eng wird, werde ich im Schlafzimmer dekorative Stapel bauen, die nie jemand erfolgreich staubwischen kann. Das wird toll.

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Der verlorene Sonntag

… ist der letzte Sonntag dieses Jahrhunderts. Der Sonntag zwischen den Jahren.

Ungeduldig warte ich darauf, dass das alte Jahr sich schüttelt, seine Federn abwirft, seine Schale sprengt und das neue Jahr aus seiner Haut schlüpft.

Aber an diesem Sonntagmorgen ist es, als wäre die Zeit stehengeblieben.

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Es ist still. Nur das gefrorene Blattwerk zerspringt knirschend unter unseren Füßen, während wir uns durch die schweigende Landschaft bewegen.

Aus der Ferne schwirrt ein einsamer Glockenton aus irgendeinem Kirchturm über die eisige Wiese.

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Eis verwandelt die Landschaft in eine glitzernde Zauberwelt. Unser Atem bildet kleine schnell zerstiebende Schleier vor unseren staunend offenen Mündern.

Es ist, als warte dieses alte Jahr noch auf etwas. Es hockt, lauernd, zusammen gekauert und lauscht. Rührt sich nicht.

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Verzauberte Lichtungen versprühen Magie. Etwas wird passieren, bald. Nur noch nicht jetzt, noch nicht ganz.

Die Sonne weiß es auch. Ihr ganzes Licht ist Verheißung pur, die weiße Landschaft eine perfekte Leinwand für roséfarbenen Versprechungen.

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Kein Vogel rührt sich, kein Hase raschelt durch das frostige Gras. Es wird so still bleiben hier, während alle Wesen warten. Darauf, dass alles von vorne beginnt. Dass das Licht wächst, das alte Laub vergeht und sich in der Ruhe neue Kräfte sammeln. Dass der Zyklus sich aufs neue wiederholt.

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Wintersonntag

Dieser Sonntag zwischen dem Danken und dem Hoffen, zwischen dem Gewesenen und dem Erwarteten, zwischen der Erinnerung und  der Fantasie ist der Stille geopfert. Dem Innehalten. Und der Mahnung.

 

 

 

Herbstleben

Wildgans postete heute Georg Trakls „Winkel am Wald“. Wundervolle Worte. Auch ein Herbstgedicht, das Jahreszeit wie Lebenszeit betrachtet.

Mein Klang des Herbstes ist Rilkes „Herbsttag“.

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

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When I’m an old woman

 

When I am an old woman I shall wear purple
With a red hat that doesn’t go, and doesn’t suit me,

And I shall spend my pension
on brandy and summer gloves
And satin sandals,
and say we’ve no money for butter.

I shall sit down on the pavement when I am tired,
And gobble up samples in shops and press alarm bells,
And run my stick along the public railings,
And make up for the sobriety of my youth.

I shall go out in my slippers in the rain
And pick the flowers in other people’s gardens,
And learn to spit.

You can wear terrible shirts and grow more fat,
And eat three pounds of sausages at a go,
Or only bread and pickle for a week,
And hoard pens and pencils and beer mats
and things in boxes.

But now we must have clothes that keep us dry,
And pay our rent and not swear in the street,
And set a good example for the children.
We will have friends to dinner and read the papers.

But maybe I ought to practise a little now?

So people who know me
are not too shocked and surprised,
When suddenly I am old
and start to wear purple!

Jenny Joseph

 

Wenn ich eine alte Frau bin
Werde ich lila tragen
Mit einem roten Hut, der nicht dazu passt
Und mir auch nicht steht.

Ich werde meine Rente für Brandy und Sommerhandschuhe ausgeben.
Und für Satinsandalen.
Und ich werde erzählen,
dass wir kein Geld für Butter haben.

Ich werde mich auf den Bürgersteig setzen, wenn ich müde werde,
und in den Läden Muster einsammeln
und Alarmknöpfe drücken
und mit meinem Stock
an öffentlichen Geländern randalieren
und einen Ausgleich schaffen für die ganze Nüchternheit meiner Jugend.

Ich werde mit meinen Pantoffeln im Regen herumwandern.
Und Blumen in den Gärten anderer Leute pflücken,
und lernen, wie man ausspuckt.

Man kann schreckliche T-Shirts tragen und fett werden,
und drei Pfund Würstchen auf einmal essen
oder nur Brot und Eingelegtes eine ganze Woche lang.

Und Bleistifte und Kugelschreiber horten und Bieruntersetzer
Und Sachen in Schachteln.

Aber jetzt müssen wir vernünftige Sachen tragen,
die uns trocken halten,
und unsere Miete bezahlen und nicht öffentlich fluchen.
Und ein Vorbild für die Kinder sein.
Wir haben Freunde zum Essen da und lesen die Zeitung.

Aber vielleicht sollte ich schon ein bisschen üben.

So dass die Leute, die mich kennen
nicht allzu überrascht und schockiert sind,
wenn ich plötzlich alt bin
und lila trage.

 

Jenny Joseph

Mein armer Wald

Mein Wald beginnt nur ein paar Hundert Meter vom Haus entfernt. Vom Wohnzimmer und vom Schlafzimmer aus sehe ich ihn den Hang hinauf wachsen. Ein Zauberwald, voller Leben, schattiger Plätze, kleiner Sumpflöcher, Wildspuren und singender Vögel.

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Das war einmal. Dürre, Hitzeschäden, Borkenkäfer, Pilz, Spinner verschiedenster Arten, Mismanagement, Profitgier: Über den Zustand des deutschen Walds könnt ihr fast alles fast überall lesen.

Dies hier sind ein paar ganz persönliche Tränen, die vergossen werden. Erst wenn die Säge als riesiges chirurgisches Messer eingesetzt wird, um zu retten, was zu retten ist, kommt das ganze Ausmaß zum Vorschein.

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Was ihr hier seht, ist nur der Beginn.  Die Kapazitäten an Mensch und Maschinen reichen bei weitem nicht aus, um die Schäden zu beseitigen, die beseitigt werden müssen. Stück für Stück wird sich der Kahlschlag fortsetzen.

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Zurück bleiben nur Staub und Stümpfe.

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Auch der Blick in die Wipfel ist nicht mehr der gleiche. Zwei kranke, ein gesunder, ein zerstörter, ein lebendiger, zwei tote. So geht es immer weiter.

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Die Diskussion ist so groß wie der Schaden. Der Wald wird wieder aufgeforstet. Mit hitzeresistenten Bäumen für den Klimawandel, mit schnell wachsenden für die Holzwirtschaft, mit einheimischen für Waldläufer und Jäger, mit trockenverträglichen für die nächsten Dürren …

In meiner Lebenszeit aber werde ich viele solcher alten Bäume, wie sie hier verloren gegangen sind,  nicht wiedersehen. Und mein Herz weint, während meine Füße Staub aufwirbeln.

 

Dämonenträume

English version s. below

„Traumverloren“ lautete das Wort des Tages in Wildgans’s Weblog und ich assoziierte ein junges Mädchen in rosé, das in sich versunken über den Pfad eine Parks flanierte.

Dies Bild zerstob in einem Augenblick. Nicht meine Version von traumverloren.

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Verloren im Traum. Verirrt. Gefangen. Gefangen gehalten von einem Traum.

Ich und die Träume – wir sind keine Freunde. In meinen Träumen walten Dämonen, lauern Monster, bewegen sich Fremde, die mir auf der Spur sind. Mir und meinen Geheimnissen, die es nicht gibt.

Die mich schreien lassen mitten in der Nacht, schweißbedeckt und mit zerplatzendem Herzen, pochendem Kopf.

Wirr zwischen dem Hier- und Dortsein verirrt.

Es ist nicht wahr. War es jemals wahr? Nicht, was meine Erinnerung angeht. Und doch, es fühlt sich an wie echt. Realer als das sanfte Wehen des Windes durch das Dachfenster, das die roten Mositonetze über mir sanft zum Kräuseln bringt. Wirklicher die Ereignisse vom Abend zuvor.

Wahrer als ich es jemals wahr haben will.

Verloren in einer Stadt, deren alte Steine bizarre Muster und Bauten bilden. Verirrt auf einem Bahnhof oder Flughafen mit endlosen Steigen, Kontrollen und stillen Gängen. Verlassen und allein. Den Namen des Ortes vergessen, der Zuhause bedeutet. Sich verzweifelt erinnern wollen, wer mir der Nächste ist, mir zu helfen im Chaos.

Da sind all die Menschen, die es in meinem Leben nicht mehr gibt. So oder so. Verwandelt, verwaschen, mit vertauschten Persönlichkeiten. Kein Halt. Keine Sicherheit. Sie sehen mich nicht. Halten mich für jemand anderen.

Das Haus ist zu groß. Zu viele Zimmer, Gänge, kein Ausweg zum Garten. Jede Treppe führt zu einer anderen. Türme wachsen in den Himmel. Fenster zeigen eine unbekannte Landschaft.

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Und dann: all die Fremden. All die Gestalten, die über diese graue Ebene ziehen. Lastentragende Fabelwesen und Kinder in Lumpen. Schattendämonen huschen durch den Zug, nur wenig Schutz bieten die riesigen, spitzen Felsnasen.

Häuser explodieren, Sterne fallen vom Himmel, Warlords hausen mit grauen Menschen in Tiefgaragen, schwer bewaffnet.

Und immer wieder: Küsten. Raue, wilde Küsten, kein Weg entlang der Wasserlinie. Und im Wasser – Wesen, zu groß, fehl am Platz und doch beherrschen sie jetzt die Meere. Kann ich dieses Mal entkommen?

Ich kann nicht entkommen. Niemals.

Ich bin verletzt, entsetzt, verzweifelt, voller Angst. Schreie. Wache auf und versinke wieder. Es tötet mich nie. Es hält noch viele weitere Nächte für mich bereit.

Es?

Ich lebe ein friedliches Leben. Voller wundervoller Entdeckungen und glücklichen Erlebnissen. Ohne Bedrohungen und große Sorgen. Tagsüber.

Nachts holt Es mich und es streift mit mir durch Welten, die alle meine Ängste und Zweifel in immer neuen Bildern und Geschehen widerspiegeln. Es ist nicht fertig mit mir.

Was habe ich getan? Welches unbekannte Monster habe ich vergraben?

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Ich will es nicht wissen. Nicht, weil ich ihm nicht begegnen möchte. Es kann nur grau und öde sein verglichen mit meinen persönlichen cinematischen Nachtvorstellungen.

Ich habe aber keine Zeit. Was mir zum Leben bleibt, will ich leben. Und mich nicht mit dem Ausgraben von Monstern beschäftigen.

Also bitte ich das Universum um einen traumlosen Schlaf.

Und ich lerne es zu verhandeln. Ich verhandle mit Dämonen. Sie können durchaus vernünftig sein. Manchmal.

Neulich konnte ich mich und ein paar andere durch schlagkräftige Argumente und das Überlassen einiger entbehrlicher Rationen von einem Dämon freikaufen, der unseren Höhleneingang sprengen wollte, um uns von der Sauerstoffzufuhr abzuscheiden.

Und ich verhinderte das Entstehen eines neuen endlosen Korridors dadurch, dass ich meine Reisetasche zwischen die letzte Tür warf, bevor sie sich schließen konnte.

Ich lerne dazu.

Vielleicht ist es nicht hoffnungslos. 😜

 

Demon Dreams

„Lost in Dreams“  was word of the day in Wildgans’s Weblog today and I saw before my eyes a young girl in rosé walking  – wrapped in thoughts – along a path in a park.

The image scattered within a moment.  Not my version of “lost in dreams” .

Lost in a dream. Confused. Trapped. Trapped in a dream.

Me and my dreams – we are no friends. In my dreams demons rule, monsters are lurking, strangers are following me. Me and my secrets, which are none at all.

Dreams that make me cry out middle of the night, bathed in sweat, with a bursting heart and throbbing head.

Crazed and lost between being Here and There.

It’s not true. Has it ever been true? Not according to my memory. But then, it feels real. Much realer than the soft breeze from the roof windows, which silently ripples the mosquito net above my head.  Realer than the things that happened yesterday.

Much more true than ever wanted it to be true.

Lost in a town, whose old stones form bizarre patterns and structures. Getting lost in a station or airport with endless gates and platforms, controls to pass and dead silent corridors. Forget the name, that means home. Try desperately to remember, who is the person nearest dearest to me, to help me in chaos.

There are all the people, who do not belong to my life anymore. One way or another. They have turned into something, look blurred, exchanged personalities. No support from them. No safety. They don’t see me. They think I was somebody else.

The house is much too big. Too many rooms, hallways, no escape to the garden. Every stair leads to another. Towers grow high into the sky. Windows opening to a strange unknown landscape.

And then: all the strangers. All these shapes, which move across this gray plains. Load carrying mythical creatures and children in rugs. Shadow demons linger between them. Just a little bit of safety can be found under the huge, sharp rocky outcrops.

Houses explode, stars fall from sky, warlords reside with their grey humans in underground car parks, heavily armed.

Again and again: Shores. Rough, wild coasts, no way along the waterline. And in the sea? Creatures, much too big, out of place, but still they now command the seas.

There is no escape. Never.

I am hurt, horrified, despaired, full of fear. Scream. Awake and sink back. It never kills me. It is prepared for a lot more nights like this.

It?

I live a peaceful life. Full of wonderful discoveries und happy experiences. Without threats and bigger sorrows. At daytime.

At nighttime “It” is coming for me and we are roaming worlds, which reflect all my fears and doubts in always new images and stories. It is not through with me.

What have I done? Which unknown monster did I bury?

I do not want to know. Not that I’m afraid to face it. It can only be grey and dull compared to my personal cinematic night shows.

But I have no time. What is left to live, I want to live. Und not wasting my time with the excavation of monsters.

So I pray to the universe for a dreamless sleep.

And I learn to negotiate. I negotiate with demons. They can be quite reasonable. Well – sometimes.

Lately I was able to rescue me and a few followers by some strong arguments and in exchange for some dispensable rations from the demon, who wanted to blast our cave entrance in order to cut us off from our oxygen supply.

And I prevented the formation of a new endless corridor by blocking the door with my travel bag, before it could close again.

I’m learning.

Perhaps there is still hope.

 

 

Das grüne Land

Grünes LAnd.jpg

Grünes Land – Frühling

Die Zeit der Wunder
ist vorbei, sagst du.
Vernunft regiert.
Und doch: ich gehe
durch ein grünes Land.
Die Ufer unerschlossen,
die Tiefen unerforscht.
Kein Weg außer dem,
den ich gehen will.
Gefahr? Bedrohung?
Ich bin der Weg.
Und ich bin nicht verschieden
von dem Grün.
Dieses Land endet,
wenn ich aufhöre zu gehen.
Dieser Weg führt dorthin,
wohin ich gehen will.
Denn hier:
regiert die Sehnsucht.

 

Grünes Land – Winter

Die grauen Zeiten
werden länger.
Jahr um Jahr.
So lange,
dass du fast vergisst.
Wenn dann das Beben
unter deinen Füßen ist,
die Welt mit Macht
das Grün gebiert.
Erschrickst du.
Und in all dem Staunen,
dem Ertrinken
in dem grünen Rausch
weißt du es doch:
Es nährt dich nicht.
Es zehrt von dir.
Und du begreifst:
Die Zeit des Gebens
ist gekommen.
Denn du
bist nicht verschieden
von dem Grün.

Schreib mal wieder – Emotionen statt Emojis

Da gab es eine Zeit vor WhatsApp. Wer weiß das schon noch? Wie das war?

Voll von Emotionen für einen anderen vor einem Blatt Papier sitzen und um Worte ringen? Einen Reisebericht so zu Papier bringen, dass im Kopf des Lesenden Bilder entstehen…  Weil der nicht einfach die Destination googeln kann …

Und ganz ohne geklaute Gifs, Bildchen, Emojis. Und dann auch noch mit Tinte und Feder kämpfen statt mit Tasten und TippEx.

Breiffreundschaft

 

Erinnerungen

Was einmal geschrieben wurde, war da nicht so schnell vom Tisch.  Zu wissen, dass das Geschriebene vielleicht Bedeutung hat für eine lange Zeit, wieder und wieder gelesen wird. Gedeutet und umgedeutet.

Nie vergessen

Aufbewahrt und wertgeschätzt. Worte zum Anfassen. Das Zeugnis eines Menschen, der genau dir etwas sagen wollte. Worte zum halten, zum festhalten, sich daran festhalten.

Schönschrift3a

Wörter, die zu Worten werden. Erfahrungen, Weisheiten, Argumente um die Sache, mit spitzer Feder zu Papier gebraucht.  In ganzen Sätzen. Ganze Sätze! Ihr erinnert euch? Subjekt, Prädikat, Objekt? Mit Adjektiven, sorgsam ausgesucht , um zu beschreiben, was man wirklich meint. Unsere Sprache besitzt viele davon. Und Synonyme für sie.

Mit spitzer Feder

In einer Handschrift. So einzigartig wie der Mensch selbst. Sorgsam, lässig, die Regeln achten, den Abstand wahren oder einfach über den Rand schreiben? Jedem das Seine …

Ich habe mir für 2019 vorgenommen, einen Brief zu schreiben. Mit der Hand. Und mit Tinte (allerdings mit der Patronen Light Version). An jemanden, der mir etwas bedeutet, über ein Thema, das mir am Herzen liegt.

Oh Mann, ich glaube, ich brauche Linienpapier ….

 

Heiss geliebt und abgegriffen

Alte Bücher faszinieren mich. Stammen sie zum einen aus der Zeit, als es zu ihnen keine Alternative gab, wenn man etwas erfahren wollte. Zum anderen spricht ihr Zustand über ihre Nutzung und die Vielzahl an Händen durch die sie gegangen sind.

Meine Sammlung stammt nicht aus einer Kiste oder einer Jahrzehnte alten, gepflegten Bibliothek. Meine alten Bücher wurden geliebt, angefasst und abgegriffen – und natürlich gelesen.

Sie sind wunderschön. Aus welcher Perspektive und von welcher Seite aus man sie auch betrachtet. Und besonders aus der Nähe.

Ecken

Stapel1

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Ecklen

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Fast schon Herbst…

Hier war der Sommer nicht nur heiß, sondern vor allem trocken. An unserem Landstrich sind alle Unwetter der letzten Zeit vorbei gegangen. Es scheint,  als sei der Sommer längst vorbei. Die Wiesen sind braun, unter meinen Füßen raschelt das Laub des Walnussbaums im Garten. Kastanien, Eicheln und Bucheckern werden von den Bäumen produziert und abgeworfen als gelte es in einer letzten Anstrengung ihr Überleben zu sichern. Apfel- und Birnenernte sind praktisch vorbei und die Felder schon bereit gemacht für die nächste Saison.

Ihr merkt schon: hier bei mir sind wir auf dem Land. Es wird stiller draußen. Die Holzvorräte werden gesichtet, die Keller mit Vorräten gefüllt. Hier vorzugsweise mit Apfelweinfässern.

Lesetechnisch ist es die Zeit für märchenhafte Geschichten, große Gefühle, epische Bilderwelten und natürlich – Gedichte.

So folgt die Kamera dem Weg von den  trockenen Wiesen über die offenen Seiten des Buches hin zu den Worten des Dichters, der Süße, Reife und Endgültigkeit dieser Jahres- und Lebenszeit betrachtet.

Rilkes Herbsttag

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los. 

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein. 

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben. 

Rainer Maria Rilke, 21.9.1902, Paris

 

Charakter Bäume

Nur im Winter zeigen Bäume ihren wahren Charakter. Wenn das grüne Blätterkleid ihre Form verbirgt, können sie ihr Alter, ihre Erlebnisse, ihre Wetternarben vor uns verbergen und sich in ihrem immer neuem Kleid sonnen.

Um diese Jahreszeit aber zeigen sie uns ihre ganze, wahre Geschichte. Und wir verneigen uns vor ihnen.

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Vintage Love

Küchenutensilien

Gebrauchtes ist einfach schöner. Alt und gebraucht. Antik. Das hat für mich weniger mit einem bestimmten Stil zu tun, als mit der Lebendigkeit dieser Dinge. Ob Haus, Möbel, Bilderrahmen oder Küchengeräte. Manche Dinge werden einfach alt. Und einige dabei immer besser. Und immer lebendiger: Sie erzählen Geschichten. Von Orten, an denen sie waren. Von Menschen, die sie umgaben. Von Händen, durch die sie gegangen sind.

Wie die knarrende alte Eichentreppe in meinem Haus, das vor über 200 Jahren mal eine jüdische Synagoge war. So viele Füße haben ihre Spuren auf ihr hinterlassen. So viele Gebete die Wände des Hauses durchzogen. Mein kleiner Bücherschrank ist ein Milchbord, in dem die Milch zum Gären abgestellt wurde.  Es stand vielleicht auf der Diele eines Hofes. Reich muss der Bauer gewesen sein, wenn er sich ein so verziertes Stück für den Tagesgebrauch leistete.

Und die alten Rührer und Löffel vibrieren geradezu in meiner Hand. Wie viele Teige, Suppen und Hände sie gespürt haben mögen… Wie viele Schicksale geteilt, auf wie vielen Wanderungen sie wohl gewesen sind… Sie verdienen, dass man ihnen zuhört.

Die Zeit der Wunder

Die Zeit der Wunder
ist vorbei, sagst du.
Vernunft regiert.

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Und doch: ich gehe
durch ein grünes Land.
Die Ufer unerschlossen,
die Tiefen unerforscht.
Kein Weg, außer dem,
den ich gehen will.
Gefahr? Bedrohung?
Ich bin der Weg.
Und ich bin nicht verschieden
von dem Grün.
Dieses Land endet,
wenn ich aufhöre zu gehen.
Dieser Weg führt dorthin,
wohin ich gehen will.
Denn hier:
regiert die Sehnsucht.