Dass der Unrast ein Herz schlägt …

Tag 29 der Buchchallenge und ich bin schon die zweite mit Celan. Myriade war schneller.

Sonja von Wildgans Weblog erwähnte irgendwann dieses Gedicht, ohne es ganz zu zitieren. Ich finde es so schön, dass ich das hier jetzt tue. Der Titel hat im Übrigen keinen aktuellen Bezug.

Corona

Aus der Hand frißt der Herbst mir sein Blatt: wir sind Freunde.
Wir schälen die Zeit aus den Nüssen und lehren sie gehn:
die Zeit kehrt zurück in die Schale.

Im Spiegel ist Sonntag,
im Traum wird geschlafen,
der Mund redet wahr.

Mein Aug steigt hinab zum Geschlecht der Geliebten:
wir sehen uns an,
wir sagen uns Dunkles,
wir lieben einander wie Mohn und Gedächtnis,
wir schlafen wie Wein in den Muscheln,
wie das Meer im Blutstrahl des Mondes.

Wir stehen umschlungen im Fenster,
sie sehen uns zu von der Straße:
es ist Zeit, daß man weiß!
Es ist Zeit, daß der Stein sich zu blühen bequemt,
daß der Unrast ein Herz schlägt.
Es ist Zeit, daß es Zeit wird.

Es ist Zeit.


Paul Celan

Zitiert aus dem 1952 veröffentlichten Gedichtband Mohn und Gedächtnis – Paul Celan zum 100. Geburtstag bzw. 50. Todestag in diesem Jahr.

Celan Gedichte zu interpretieren fand ich immer schon extrem schwierig. Es verlangt zumindest eine Menge Kenntnis seines Lebens und seiner Denkweise. Ich mag einfach die Melodie der Wörter und die oft so ungewöhnliche Verwendung und unerklärlichen Bezüge.

Sicherlich sind Teile dieses Gedichtes eine Liebeserklärung an Ingeborg Bachmann. In seinem Brief vom 20. Juni 1949 schreibt Celan an Ingeborg, er möchte, „daß niemand außer Dir dabei sei, wenn ich Mohn, sehr viel Mohn, und Gedächtnis, ebensoviel Gedächtnis, zwei große leuchtende Sträuße auf deinen Geburtstagstisch stelle“.

„Es ist Zeit, dass der Stein sich zu blühen bequemt, dass der Unrast ein Herz schlägt“ ist für mich ein Lied, das meiner Sehnsucht gerade gut entspricht.

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Das Unwort des Jahres

Die neue Normalität. Neues ist nicht normal. Da liegt ein Prozess dazwischen, ein Weg, eine Strecke, eine Umgewöhnung. Das steht uns noch bevor.

Heike von Diamantwörter schrieb, sie schaue manchmal im Fernsehen alte Sportveranstaltungen an: „Die Geräuschkulisse tröstet mich und voller Faszination starre ich auf die Menschenmenge.“

Bei der Wildgans ist das Wort des Tages „Normalität“.

Wir hatten einmal eine Normalität. Sie war uns als solche nicht bewusst.

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Was geschah hinterlässt eine Art Schockstarre.  Wer hätte denn geglaubt … Rehe und Büffel, die durch menschenleere Städte streifen – wie im Film …

Unter Menschen gehen hat eine andere Bedeutung. Wir schleichen aneinander vorbei, drehen uns weg, betrachten jeden, der sich uns nähert als dreist.

Gemeinsam zu erleben war normal. Jetzt gilt eine neue Normalität. Die Leichtigkeit ist verloren gegangen. Begegnungen sind begrenzt, werden gemessen, beschränkt. Ein neuer Code muss beachtet werden. Gerda Kazakou entwickelt auf ihrem Blog gerade einen völlig neuen Corona Knigge. Heike schildert eine Beerdigung auf Abstand. Eine Tristesse ohne Trost.

Werden wir diese neue Normalität je mit Leichtigkeit beherrschen? Mit 1,50 Meter Abstand und Maske das Gefühl genießen, auf einem vollen Markt die schönsten Stücke auszusuchen?  In der 5er Reihe im Flugzeug auf einem 8 Stunden Flug?

Oder werden wir uns wohler fühlen in einer abstandsreichen Einsamkeit. Und unsere Begegnungen erleben zerlegt in Bits und Bytes?

Meereschallenge

Es wird noch ein weiter Weg. Wir sind an etwas erinnert worden. Wie immer muss die Show weiter gehen. Und das wird sie. Wie auch immer das aussehen wird. Menschen machen das so. Wir graben uns dauernd aus irgendwelchen Trümmern aus.

Aber werden wir je wieder dieselben sein? Und wäre das erstrebenswert?

 

 

 

 

Der verwunschene Hain

Hain9.jpgDer Ort war alt. Und fast schon tot. Jeder, der säen und ernten musste, hatte ihn schon lange verlassen. Nur in Bodennähe huschten kleine Wesen und nährten sich von dem Verfall.

Die alten Bäume trauerten. Sie trauertem seit dem Tag, an dem hier das letzte Klagen und die Schmerzensschreie erloschen waren. Sie trauerten in Stille und sie starben.

HAin8.jpgNur manchmal, an den helleren Tagen, kam Sie in den Hain. Dunkel und blass, mit einer Mondsichel auf der Stirn. So durchscheinend war Sie, als gehöre sie gar nicht zu dem Jetzt, sondern zu den alten, vergangenen Tagen.

Hain11a.jpgAber sie war sehr wohl lebendig. Der Hain spürte das. Ihr stechender Schmerz weckten ihn aus seiner Starre. Und so gab der Hain ihr, während Sie ihn durchstreifte, das ein oder andere aus der Vergangenheit: ein Stück zerbrochenes Geschirr, eine verrostete Handsense, ein Stück halbverbranntes Gebälk mit einem Namen.

Was sie suchte, konnte er ihr nicht geben. Nichts, rein gar nichts war geblieben von den Toten nach der Feuersbrunst. Und Er hatte dazu gehört. Er hatte gekämpft, mit blitzenden Lichtern in seinem Augen und ihrem Herz neben seinem. Gegen die Schatten und die Dunkelheit. Sie hatten verloren.

Hain6a.jpgDieses Mal. Sie verbrannten ihre Toten und zogen fort. Wie sie es immer schon getan hatten. Niemals kam jemand zurück. Bis auf Sie.

Ein Teil von ihr war hier geblieben. Sie war an diesen Ort gebunden wie die Bäume, tief verwurzelt in der verbrannten Erde, nicht fähig zu sterben, aber auch nicht zu leben.

So wanderte Sie mit dem Hain ein Stück durch den Raum und die Zeit. Gefangen, gezeichnet, ein Schatten ihrer selbst.

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Isolation und der Ton der Stille

Frank Brehe, Naturfotograf fotografierte zu dem Thema Isolation Tiere von Spatz bis Katz.  Eher aus der Not heraus in dieser Situation.

Was mich auf die Idee brachte, die minimalistische Umsetzung dieses Themas noch einmal zu zeigen. Passt auch ganz gut zum Gefühl in diesen Tagen. Der leise Ton der Einsamkeit.

Ich habe so viel mit Menschen gesprochen in den letzten Tagen wie schon lange nicht mehr. Mails, WhatsApp, Messenger und Telefon…  Wenn ich also mit meiner Kamera alleine durch Wald und Wiese streife und Knospen fotografiere, so empfinde ich die Stille als wohltuend, erfüllt, gewollt und heilsam.

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Sandknirschen

 

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Speckstippe und die Welt da draußen

Samstag auf dem Dorf. Die Sonne strahlt, die Sägen klingen, Traktoren nehmen sich die Vorfahrt.

Nachbar A macht seinen Kirschbaum einen Kopf kürzer und wir lassen uns das nicht entgehen. Sitzen zum Zuschauen auf dem Balkon wie die Alten in der Muppet Show. Hinterher gibt es zur Belohnung eine Runde Oldies auf der Terrasse, richtig gute, und ich reiche einen halben frisch gebackenen Hefezopf über den Zaun.

Nachbarin B bummelt vorbei und holt sich etwas von meinem aufgefrischten Sauerteig, den ich in der Dorf FB Gruppe angeboten habe. Mehl und Hefe gibt hier nicht mehr. Ich  reiche den Sauerteig übers Hoftor und wir schwatzen über das letzte Rezept.

Wir bauen das Gewächshaus auf und säen Salat, Kräuter und Tomaten. Sicher werden wir viel zuviel Pflänzchen bekommen. Aber vielleicht mögen die Nachbarn ein paar.

Pause. In den Forsythien summen die ersten noch trägen Bienen.

Zeit für die Hunde. Wir wandern die 200 Meter zum Wald hinauf. Bei Nachbar C spielen die Kids Federball auf dem Rasen, das Gequietsche ist groß.

Gleich hinter der Schafweide treffen wir Nachbar D beim Gänse füttern und quatschen übern Zaun trotz des Lärms kurz über Füchse und Waschbären, weil er die Fallen frisch aufgestellt hat.

Über unsere Köpfe fegen die Turmfalken, die im Kirchturm wohnen und ein großer Bussard segelt majestätisch über die Weiden am Waldrand.

Der alte jüdische Friedhof ist übersät von Buschwindröschen, so viel neues Leben um die uralten Steine.

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Wir atmen tief durch und schauen auf das Dorf hinunter, das im warmen Sonnenlicht liegt. Die großen Weiden am Bach zeigen ein blütenfrisches Hellgelbgrün.

Nachbar E treffen wir auf dem Rückweg schwitzend beim Zäune setzen. Die Pferde wollen endlich raus und das Gras wächst gut. Wir winken einander zu.

Daheim warten Speckstippe, Pellkartoffeln und Gurkensalat nach Omas Rezept.

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Unfassbar, dass da draußen gerade eine Welt zusammen bricht.

Wenn es mich trifft, bin ich froh, dass ich hier war.

 

Kalte Füße gekriegt …

Suuuper, da isser wieder. Hat wohl kalte Füße gekriegt da draußen.

Just gestern Nacht ist er wieder eingezogen. Und das, nachdem er sich den ganzen Sommer lang in den Wäldern rumgetrieben hat und mich meinen Kram hat alleine machen lassen.

Na ja, soo hilfreich war er eh nie. Ein echter Rumtreiber und ein Tunichtgut. Und jetzt wurde es ihm wohl zu kalt. Da hat er Strandkorb Strandkorb sein lassen, hat seine Strickleiter ausgerollt und ist mit Sack und Pack hier wieder eingezogen.

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Welcome back Ami! Besser du ziehst dich warm an. Wenn ich dich und deine spitzen Ohren zu fassen bekomme: Die Abreibung wird knackig und deine Joblist ist verdammt lang.

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Das wars dann mit den Feenmädels und den magischen Pilzen. Wenigstens hättest du dir die Füße abtreten können.

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Und gleich morgen wird gekehrt !!! Machs dir nur nicht zu gemütlich.

 

Der Himmel, der niemals einstürzt …

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Ich
bin ein Irrlicht.
Ein Träumer, ein Tänzer.
Ein Springer
zwischen hier und dort.
Ein ewiger Sucher,
voller Worte und Bilder
sich drehend in meinem Kopf
unentwegt.

Du
bist der Himmel,
der niemals einstürzt,
der Abgrund,
der sich unter meinen Füßen schließt.
Die Wolke,
die mich trägt,
auf der ich tanzen darf
und springen und Wirbel erzeugen,
Der doppelte Mond,
der ist, weil er ist.

Und wenn du meine Worte
manchmal nicht verstehst,
die Stirn runzelst
über meine Träume,
meine Sprünge besorgt betrachtest –

Sei dir sicher:
ich schaue mich um
bevor ich springe,
sicher zu stellen,
dass du da bist,
wo ich lande. 

Ich wünschte,
ich könnte dich öfter
zum Lächeln bringen.

 

The Lady of the Seas

Es ist Nacht, mein Freund. 
 Jene Art Nacht:
deren Himmel dich umhüllen wie tiefblauer Samt.
Deren Sterne funkeln wie Splitter von Eis.
Die mit Sternschnuppen nach dir wirft
und deren Dunkelheit nichts zulässt,
außer dir und ihr.

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 Es ist Sturm, mein Freund.
Jener Sturm:
der in warmen Wellen kommt.
Der mit gierigen Händen deinen Körper erforscht.
Der dir schmeichelt und dich verlacht.
Der mit dir spielt und dich ganz nimmt,
bis nicht mehr existiert,
außer dir und ihm.

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 Es ist raue See, mein Freund.
Jene See:
deren Wogen gischt gekrönt zu den Sternen wollen.
In deren Tälern dein Mut versinkt wie ein Stein.
Die das Gesicht dir leckt mit salziger Zunge.
Deren Toben dein Herz in Bann schlägt,
bis es nichts mehr gibt,
außer dir und ihr.

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Die Lady reitet den Sturm,
mein Freund.
Mit knarrenden Masten und bebenden Decks.
Sie träumt die Nacht, sie tanzt mit der See.
Die Flossen ihrer Gefährten
durchschneiden schweigend die Gischt an ihren Flanken.
Wenn sie die Tiefen verlassen, um im Sternlicht zu baden.  Lady of the Sea.jpg

 Es ist Zeit, mein Freund.
Die Hände zu lösen vom rauen Halt
und deine Augen empor zu wenden zu den Rahen,
zu den Schatten der Segel unter dem Mond.
Dich los zu lassen und dich ihr ganz zu geben,
bis da nichts mehr ist, zwischen dir und ihr.

 Und du erkennst:
dass du den Himmeln näher niemals sein kannst.

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Dämonenträume

English version s. below

„Traumverloren“ lautete das Wort des Tages in Wildgans’s Weblog und ich assoziierte ein junges Mädchen in rosé, das in sich versunken über den Pfad eine Parks flanierte.

Dies Bild zerstob in einem Augenblick. Nicht meine Version von traumverloren.

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Verloren im Traum. Verirrt. Gefangen. Gefangen gehalten von einem Traum.

Ich und die Träume – wir sind keine Freunde. In meinen Träumen walten Dämonen, lauern Monster, bewegen sich Fremde, die mir auf der Spur sind. Mir und meinen Geheimnissen, die es nicht gibt.

Die mich schreien lassen mitten in der Nacht, schweißbedeckt und mit zerplatzendem Herzen, pochendem Kopf.

Wirr zwischen dem Hier- und Dortsein verirrt.

Es ist nicht wahr. War es jemals wahr? Nicht, was meine Erinnerung angeht. Und doch, es fühlt sich an wie echt. Realer als das sanfte Wehen des Windes durch das Dachfenster, das die roten Mositonetze über mir sanft zum Kräuseln bringt. Wirklicher die Ereignisse vom Abend zuvor.

Wahrer als ich es jemals wahr haben will.

Verloren in einer Stadt, deren alte Steine bizarre Muster und Bauten bilden. Verirrt auf einem Bahnhof oder Flughafen mit endlosen Steigen, Kontrollen und stillen Gängen. Verlassen und allein. Den Namen des Ortes vergessen, der Zuhause bedeutet. Sich verzweifelt erinnern wollen, wer mir der Nächste ist, mir zu helfen im Chaos.

Da sind all die Menschen, die es in meinem Leben nicht mehr gibt. So oder so. Verwandelt, verwaschen, mit vertauschten Persönlichkeiten. Kein Halt. Keine Sicherheit. Sie sehen mich nicht. Halten mich für jemand anderen.

Das Haus ist zu groß. Zu viele Zimmer, Gänge, kein Ausweg zum Garten. Jede Treppe führt zu einer anderen. Türme wachsen in den Himmel. Fenster zeigen eine unbekannte Landschaft.

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Und dann: all die Fremden. All die Gestalten, die über diese graue Ebene ziehen. Lastentragende Fabelwesen und Kinder in Lumpen. Schattendämonen huschen durch den Zug, nur wenig Schutz bieten die riesigen, spitzen Felsnasen.

Häuser explodieren, Sterne fallen vom Himmel, Warlords hausen mit grauen Menschen in Tiefgaragen, schwer bewaffnet.

Und immer wieder: Küsten. Raue, wilde Küsten, kein Weg entlang der Wasserlinie. Und im Wasser – Wesen, zu groß, fehl am Platz und doch beherrschen sie jetzt die Meere. Kann ich dieses Mal entkommen?

Ich kann nicht entkommen. Niemals.

Ich bin verletzt, entsetzt, verzweifelt, voller Angst. Schreie. Wache auf und versinke wieder. Es tötet mich nie. Es hält noch viele weitere Nächte für mich bereit.

Es?

Ich lebe ein friedliches Leben. Voller wundervoller Entdeckungen und glücklichen Erlebnissen. Ohne Bedrohungen und große Sorgen. Tagsüber.

Nachts holt Es mich und es streift mit mir durch Welten, die alle meine Ängste und Zweifel in immer neuen Bildern und Geschehen widerspiegeln. Es ist nicht fertig mit mir.

Was habe ich getan? Welches unbekannte Monster habe ich vergraben?

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Ich will es nicht wissen. Nicht, weil ich ihm nicht begegnen möchte. Es kann nur grau und öde sein verglichen mit meinen persönlichen cinematischen Nachtvorstellungen.

Ich habe aber keine Zeit. Was mir zum Leben bleibt, will ich leben. Und mich nicht mit dem Ausgraben von Monstern beschäftigen.

Also bitte ich das Universum um einen traumlosen Schlaf.

Und ich lerne es zu verhandeln. Ich verhandle mit Dämonen. Sie können durchaus vernünftig sein. Manchmal.

Neulich konnte ich mich und ein paar andere durch schlagkräftige Argumente und das Überlassen einiger entbehrlicher Rationen von einem Dämon freikaufen, der unseren Höhleneingang sprengen wollte, um uns von der Sauerstoffzufuhr abzuscheiden.

Und ich verhinderte das Entstehen eines neuen endlosen Korridors dadurch, dass ich meine Reisetasche zwischen die letzte Tür warf, bevor sie sich schließen konnte.

Ich lerne dazu.

Vielleicht ist es nicht hoffnungslos. 😜

 

Demon Dreams

„Lost in Dreams“  was word of the day in Wildgans’s Weblog today and I saw before my eyes a young girl in rosé walking  – wrapped in thoughts – along a path in a park.

The image scattered within a moment.  Not my version of “lost in dreams” .

Lost in a dream. Confused. Trapped. Trapped in a dream.

Me and my dreams – we are no friends. In my dreams demons rule, monsters are lurking, strangers are following me. Me and my secrets, which are none at all.

Dreams that make me cry out middle of the night, bathed in sweat, with a bursting heart and throbbing head.

Crazed and lost between being Here and There.

It’s not true. Has it ever been true? Not according to my memory. But then, it feels real. Much realer than the soft breeze from the roof windows, which silently ripples the mosquito net above my head.  Realer than the things that happened yesterday.

Much more true than ever wanted it to be true.

Lost in a town, whose old stones form bizarre patterns and structures. Getting lost in a station or airport with endless gates and platforms, controls to pass and dead silent corridors. Forget the name, that means home. Try desperately to remember, who is the person nearest dearest to me, to help me in chaos.

There are all the people, who do not belong to my life anymore. One way or another. They have turned into something, look blurred, exchanged personalities. No support from them. No safety. They don’t see me. They think I was somebody else.

The house is much too big. Too many rooms, hallways, no escape to the garden. Every stair leads to another. Towers grow high into the sky. Windows opening to a strange unknown landscape.

And then: all the strangers. All these shapes, which move across this gray plains. Load carrying mythical creatures and children in rugs. Shadow demons linger between them. Just a little bit of safety can be found under the huge, sharp rocky outcrops.

Houses explode, stars fall from sky, warlords reside with their grey humans in underground car parks, heavily armed.

Again and again: Shores. Rough, wild coasts, no way along the waterline. And in the sea? Creatures, much too big, out of place, but still they now command the seas.

There is no escape. Never.

I am hurt, horrified, despaired, full of fear. Scream. Awake and sink back. It never kills me. It is prepared for a lot more nights like this.

It?

I live a peaceful life. Full of wonderful discoveries und happy experiences. Without threats and bigger sorrows. At daytime.

At nighttime “It” is coming for me and we are roaming worlds, which reflect all my fears and doubts in always new images and stories. It is not through with me.

What have I done? Which unknown monster did I bury?

I do not want to know. Not that I’m afraid to face it. It can only be grey and dull compared to my personal cinematic night shows.

But I have no time. What is left to live, I want to live. Und not wasting my time with the excavation of monsters.

So I pray to the universe for a dreamless sleep.

And I learn to negotiate. I negotiate with demons. They can be quite reasonable. Well – sometimes.

Lately I was able to rescue me and a few followers by some strong arguments and in exchange for some dispensable rations from the demon, who wanted to blast our cave entrance in order to cut us off from our oxygen supply.

And I prevented the formation of a new endless corridor by blocking the door with my travel bag, before it could close again.

I’m learning.

Perhaps there is still hope.

 

 

Schreib mal wieder – Emotionen statt Emojis

Da gab es eine Zeit vor WhatsApp. Wer weiß das schon noch? Wie das war?

Voll von Emotionen für einen anderen vor einem Blatt Papier sitzen und um Worte ringen? Einen Reisebericht so zu Papier bringen, dass im Kopf des Lesenden Bilder entstehen…  Weil der nicht einfach die Destination googeln kann …

Und ganz ohne geklaute Gifs, Bildchen, Emojis. Und dann auch noch mit Tinte und Feder kämpfen statt mit Tasten und TippEx.

Breiffreundschaft

 

Erinnerungen

Was einmal geschrieben wurde, war da nicht so schnell vom Tisch.  Zu wissen, dass das Geschriebene vielleicht Bedeutung hat für eine lange Zeit, wieder und wieder gelesen wird. Gedeutet und umgedeutet.

Nie vergessen

Aufbewahrt und wertgeschätzt. Worte zum Anfassen. Das Zeugnis eines Menschen, der genau dir etwas sagen wollte. Worte zum halten, zum festhalten, sich daran festhalten.

Schönschrift3a

Wörter, die zu Worten werden. Erfahrungen, Weisheiten, Argumente um die Sache, mit spitzer Feder zu Papier gebraucht.  In ganzen Sätzen. Ganze Sätze! Ihr erinnert euch? Subjekt, Prädikat, Objekt? Mit Adjektiven, sorgsam ausgesucht , um zu beschreiben, was man wirklich meint. Unsere Sprache besitzt viele davon. Und Synonyme für sie.

Mit spitzer Feder

In einer Handschrift. So einzigartig wie der Mensch selbst. Sorgsam, lässig, die Regeln achten, den Abstand wahren oder einfach über den Rand schreiben? Jedem das Seine …

Ich habe mir für 2019 vorgenommen, einen Brief zu schreiben. Mit der Hand. Und mit Tinte (allerdings mit der Patronen Light Version). An jemanden, der mir etwas bedeutet, über ein Thema, das mir am Herzen liegt.

Oh Mann, ich glaube, ich brauche Linienpapier ….

 

Wolfsfeuer

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Und während er schlief, ist ein Engel gekommen,
der in der wunderweißen Nacht,
Wolf’s Traum von einer Wölfin erfüllt,
die Wolfsfeuer in ihm entfacht.

Noch schläft er, sie wacht …
doch wenn er erwacht,
was werden sie staunen,
dass Engelslaunen
ihnen auch ein wenig Weihnacht gebracht.

 

Ich wünsche euch allen friedvolle Weihnachten
und ein neues Jahr voller wunderbarer Überraschungen.

 

Die Zeit der Wunder

Die Zeit der Wunder
ist vorbei, sagst du.
Vernunft regiert.

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Und doch: ich gehe
durch ein grünes Land.
Die Ufer unerschlossen,
die Tiefen unerforscht.
Kein Weg, außer dem,
den ich gehen will.
Gefahr? Bedrohung?
Ich bin der Weg.
Und ich bin nicht verschieden
von dem Grün.
Dieses Land endet,
wenn ich aufhöre zu gehen.
Dieser Weg führt dorthin,
wohin ich gehen will.
Denn hier:
regiert die Sehnsucht.

Neu beginnen…

wasser

Was geschehen, ist geschehen. Das Wasser
Das du in den Wein gossest, kannst du
Nicht mehr herausschütten, aber
Alles wandelt sich. Neu beginnen
Kannst du mit dem letzten Atemzug.
                                                                                   Bertolt Brecht

Priesterin

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Allein.

Er ist gegangen.

Nein. Nicht gegangen. Er verschmolz mit dem Wald  auf der Lichtung zwischen den rostroten Bäumen, die Blätter regnen.

Wie trommelnder Regen fallen die Blätter. Als wolle der Wald sich entlauben und aufgeben. Jetzt. Gerade jetzt.

Der Lärm lockt die Trolle hervor, die mit blutigen Mäulern schnüffelnd seine Spur aufnehmen.

Sie werden ihn nicht bekommen. Sie nicht. Ich nicht.

Es ist die Zeit, in der die Spinnfäden frei im Wind schweben und die Schirme der Pilze so dünn sind, dass die Sonne durch sie hindurch scheint.  Eine trügerische Zeit.

Meine Hand umklammert das alte Messer, mit dem ich ihn freigab.

Sein Atem ist noch in meiner Halsbeuge, seine graue Hand, blutig von der Trennung, umfasst noch meine Brust.

Der Wald feiert unser Ende mit einer glutroten Pracht, die ich nicht ertrage.

Meine Seele schreit nach ihm. Aber die erbarmungslosen Mächte seines Hains fauchen mich an wie ein tollwütiger Bär.

Seine Brust tropft von Schweiß, sein Herz hämmert im Rhythmus seiner Hufe. Er rennt. Das Dickicht schließt sich um ihn und um das Blut an seinen Flanken. Er rennt.

Und sein Schmerz feiert das Teilen, das Erbeben, die Macht. Feiert das Leben.

Sein Leben, das meines war für eine kurze Zeit. Die Mondsichel auf meiner Stirn pulsiert.

Ich bete.

Allein.

Heartthere is a place in the heart that
will never be filled

a space

and even during the
best moments
and
the greatest
times

we will know it

we will know it
more than
ever

there is a place in the heart that
will never be filled

and

we will wait
and
wait

in that space

— Charles Bukowski, You Get So Alone At Times That It Just Makes Sense

Aki Träumerin

Aki war eine große Träumerin. Sie jagte nachts, bellte, lief mit den Hasen um die Wette, suhlte sich wohlig und vor sich hin brummelnd in ihrem Körbchen, da war immer etwas los. Jetzt träumt sie ihren immerwährenden Traum. Du warst mein Sonnenschein auch an jedem dunklen Tag, meine große, schwarze Nase. Ich danke dir.176

Nie mehr einsam – das kann doch nicht so schwer sein…

Ich bin soooo einsam. Das stimmt ehrlich!  Ich hätte sooo gerne jemanden zu Reden. Und zum Kuscheln. Und zum….  Aber er müsste schon recht gut ausschauen. Nicht so wabbelig. Groß. Gepflegt. Und einfühlsam sein. Und klug. Stark. Intelligent. Schon bitte mit Allgemeinbildung. Einem eigenen Haus. Einem eigenen Hobby. Eigentlich also einer, der ganz zufrieden ist, dem nur gerade ich für sein Glück gefehlt habe. Gerade so wie ich bin. Mit meinem eigenem Haus. Und allen meinen Viechern. Die immer vorgehen. Einen, der mag, dass ich kratzbürstig, anspruchsvoll, treffend gemein und durchaus launisch bin. Der mich so liebt, wie ich bin: schon ein bisschen angefressen , nicht mehr ganz knackig. Ich würde alles für ihn kochen, was ich gerne mag. Nach Feierabend die Dinge gern kontrovers diskutieren. Ihm zuhören, wenn ich nicht gerade was zu sagen habe. Ich wäre fast an jedem Tag der Woche für ihn da. Nur nicht gerade, wenn ich reiten oder auf dem Turnier bin. Oder einkaufen im Baumarkt, um die Sachen für die Fensterreparatur zu holen. Ich würde ihm ganz auch ganz genau sagen, was er dabei zu tun hat. Naja, auch nicht gerade am Doktor-Donnerstag. Und nicht, wenn ich arbeiten muss oder auf eine Messe. Arbeit geht natürlich immer vor. Aber dafür muss er auch nie mit mir in Urlaub fahren. Weil das Geld dafür die Viecher gefressen haben. Er wird doch mögen, dass ich ein volles Leben hinter mir habe, nun fast alles weiß und natürlich aufrecht meinen Standpunk t behaupte. Ich bin 60 und voll flexibel, offen für alles.

Das kann doch nicht so schwer sein.