Zeit der Ackerwinden

Marienbecher, Muttergottesgläschen – diese Namen der Ackerwinde gehen auf eine Geschichte der Brüder Grimm zurück.

Es hatte einmal ein Fuhrmann seinen Karren, der mit Wein schwer beladen war, festgefahren, so dass er ihn trotz aller Mühe nicht wieder losbringen konnte. Nun kam gerade die Mutter Gottes des Weges daher, und als sie die Not des armen Mannes sah, sprach sie zu ihm: Ich bin müd und durstig, gib mir ein Glas Wein, und ich will dir deinen Wagen frei machen. Gerne, antwortete der Fuhrmann, aber ich habe kein Glas, worin ich dir den Wein geben könnte. Da brach die Mutter Gottes ein weißes Blümchen mit roten Streifen ab, das Feldwinde heißt und einem Glase sehr ähnlich sieht, und reichte es dem Fuhrmann. Er füllte es mit Wein, und die Mutter Gottes trank ihn, und in dem Augenblick ward der Wagen frei und der Fuhrmann konnte weiterfahren. Das Blümchen heißt noch immer Muttergottesgläschen.

Das ist aber auch das einzig nette, das über die Ackerwinde zu sagen ist. Außer natürlich, dass sie mein Fotografenauge erfreut. Sie gilt weithin einfach als Plage, sowohl im Garten wie auch im Feld.

Beliebt bei den Insekten ist sie auf jeden Fall. Nur Bauern und Gärtner bringt sie zur Verzweiflung. Sie lässt sich nicht jäten. Ihr weit verzweigtes unterirdisches System von Wurzelsträngen treibt immer wieder aus und durchbricht selbst harte, trockene Oberflächen bis hin zu Mauerwerk.

Im Garten gilt also: Wehret den Anfängen.

Die Winden sind so stark, dass man von ihnen erzählt, dass Füchse und wilde Katzen sie nutzen, um Stäbe an gebrochenen Gliedmaßen zu befestigen. Glaubt’s oder nicht.

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